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14.01.2019

Daily Dakar Episode 8 – Konkurrenz durchs Afrika Eco Race?


Orange ist die Farbe des Tages. Denn es gibt eine Neuerung bei der Dakar für 2019 – den Halbmarathon. Zum ersten Mal können jene Teilnehmer aus der Auto- und Lkw-Wertung, die in der ersten Woche ausgeschieden sind, in der zweiten wieder antreten – allerdings quasi außer Konkurrenz: Sie müssen sogar hinter dem Hauptfeld herhecheln, denn es soll vermieden werden, dass ein Team einen Pechvogel zu einem Wasserträger für einen Mitfavoriten umwidmen kann, wenn der nahe genug hinter dem Teamkollegen her fährt.

Von der Neuerung muss auch ein liebgewonnener Haudegen Gebrauch machen: Jürgen Schröder aus dem South Racing-Team aus der Nähe von Rüsselsheim. Schröder, der jedes Jahr einen seiner Söhne mit zur Dakar bringt, hat in diesem Jahr den Klabautermann an Bord gehabt: Schon am ersten Tag schliff seine Kupplung, er hatte im unteren Drehzahlbereich keine Leistung – und gerade dort muss der Motor anschieben, wenn man mit Allradantrieb und schmalen Reifen durch die tiefen Dünen und Wüsten pflügen muss.

Einige Reifenschäden und Verfranser kamen dazu, und in der Nacht vorm Ruhetag mussten Vater Jürgen und Sohn Daniel Schröder dann sogar in den Dünen übernachten. Der Motor drehte nur noch bis 2.000 Touren, damit kamen die kernigen Norddeutschen nicht mehr aus einem Dünentalkessel raus. Selbst Matthias Behringer und sein Servicetruck kriegten den Pritschenwagen nicht freigeschleppt.

Und das will schon was heißen. Denn Behringer gilt als Virtuose am Lkw-Lenkrad. Von allen Servicetruckfahrern, die nicht im Wettbewerb der Racetrucks mitfahren, sondern nur als schnelle Eingreiftruppe hinterher fahren, hat der Schwabe fahrerisch das Meiste drauf.

Unvergessen bleibt das Bild eines schweißgebadeten Matthias Kahle, nachdem der Görlitzer mit seinem Hamburger Co. Thomas Schünemann von Behringer ins Schlepptau genommen worden war – und der Truckie es in den Dünen dermaßen fliegen ließ, dass Kahle seine ganze Rallyeerfahrung brauchte, um den Buggy des damaligen HS-Teams auf Kurs zu halten – und das ohne eigene Motor- und Vortriebsleistung.

Vorgestern aber musste selbst Behringer die beiden Thedinghäuser Abenteurer, die auch bei Motorradklassikern wie dem „Roof of Africa“ an den Start gehen, in der Wüste stehenlassen. Nach einer Nacht zwischen den Dünen rückte das South Racing-Team am Ruhetag aus, um die Schröders wieder einzusammeln. Und ab Sonntag fahren sie nun in der Halbmarathonwertung mit, denn ihnen geht’s ohnehin ums Abenteuer und den Spaß an der Herausforderung, nicht um vordere Platzierungen.

Die Halbmarathonwertung ist genau für solche wilden Hunde gemacht. Und sie ist eine Antwort auf den Boom des Africa Eco-Race, einer Marathonrallye ebenfalls Anfang Januar, die längs der Route der alten Dakar durch Marokko, Mauretanien, die Sahara und in den Senegal führt.

In den vergangenen Jahren lockte die Konkurrenzveranstaltung zur nach Südamerika ausgewanderten Dakar immer mehr Teilnehmer, zuletzt auch Kult-Truckie Gerard de Rooy und den Automobilisten Waldimir Vasiliew. Doch die Elite hat sich längst zurück zur Dakar orientiert: de Rooy fordert wieder die Blaue Brigade heraus, Vawiliew fährt einen Toyota Hilux im belgischen Overdrive-Team von Jean-Marc Fortin. Nachdem er seinen eigenen X-Raid-Allradler bei der Rallye Seidenstraße zu einem Totalschaden verarbeitet hat, war die Pacht für einen Pickup von Fortin eine kostengünstigere Alternative, als sich bei X-Raid einen neuen Mini zu mieten.

Das Africa-Race ist in erster Linie eine Veranstaltung für Amateure, der sportliche Wert an der Spitze ist deutlich niedriger als bei der Dakar. Das ist keine Kritik: Wer unsere PITWALK-Ausgabe mit dem GT3-Titel „Fluch oder Segen“ gelesen hat, der weiß, dass unsere Mannschaft – im Gegensatz zu vielen anderen Motorsportjournalisten – sehr wohl einschätzen kann, wie wertvoll Privatiers für den Sport sind und dass man ihnen eine sehr hohe Wertschätzung entgegenbringen muss.

Das findet auch die A.S.O., also die Ausrichteragentur der Rallye Dakar. Die Franzosen sind wegen der hohen Nenn- und Antrittsgelder in die Kritik geraten. Denn sie nehmen es von den Lebendigen – und viele finden, sie bieten den Amateuren dazu zu wenig. Das Africa Eco Race sei da deutlich kundenfreundlicher.

Eine ähnliche Debatte tobt gerade im GT3-Sport, wo ich seit drei Jahren höre, wie arg die Privaten beim 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in der VLN abgezockt werden und um wie viel kundenorientierter die S.R.O. als Veranstalter der Blancpain-GT3-Serien sei.

Nun ist diese Debatte auch im Marathonsport angekommen, und die A.S.O. hat darauf reagiert – mit dem Halbmarathon in Woche 2, der eine vorzeitige Abreise verhindern soll. So kommen nun auch jene Fahrer womöglich ins Ziel, die zwischendrin schon weg vom Fenster waren.

Das Vorbild dafür die Super Rally-Wertung aus der Rallye-WM, die Ausgefallene von einer früheren Etappe am nächsten Tag auch wieder zulässt.

Die Schröders machen davon gern Gebrauch. Doch nicht alle Amateure können so dankbar zugreifen wie die Klubmitglieder des AC Syke: Bernd Hans Hofmann, Side-by-Side-Dakar-Debütant, brach seinem Auto bei einem üblen Nasenstüber die Vorderachsaufnahme und sich selbst die linke Hand. Der Immobilienmagnat ist schon wieder auf dem Heimflug. Sein Beifahrer Juan Carlos Carignani – ein aus Argentinien stammender Eisdielenbesitzer aus Weil am Rhein – ist noch in Peru, um die Formalitäten für den Rücktransport des SxS zu regeln.

Und Lkw-Bruchpilot André Karginow ist auch fort: Nach dem vieldiskutierten Zuschauerunfall haben die Veranstalter ihn von der Rallye disqualifiziert. Begründung: Er habe nicht angehalten, um dem Unfallopfer zu helfen.

Karginow entschuldigte sich, er hätte während der Fahrt nichts von dem Unfall bemerkt, sondern erst im Ziel davon erfahren.

Ist das glaubwürdig?

Ich sage: Ja.

Denn ich habe selbst schon mal in einem scharfen Rallyetruck gesessen, bei Testfahrten in einem Steinbruch in der Nähe von Leipzig – für eine Geschichte in unserer Zeitschrift PITWALK. MAN-Dakar-Urgestein Franz Echter war damals mein Mentor.

Man fühlt sich in diesen dicken Biestern wie in einem World Rally Car, nur zwei Etagen höher. Die Boliden sind hart gefedert, sie machen einen Höllenlärm und verprügeln die Insassen nach Strich und Faden. Die Rückmeldung über einen Einschlag kann man nicht unterscheiden. Wenn man im Alltag einen Wildunfall baut, weiß man sofort, auch bei Dunkelheit, dass man ein Tier erwischt hat und anhalten muss.

In so einem gewaltigen Wüstentruck geht’s die ganze Zeit über zu wie bei einem Punk-Konzert im Moshpit: laut, wüst und rumpelig. Da kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass man nicht realisiert, woher der Schlag und das Geräusch gerade kommt.

Ich gebe zu, das ist schwer vorstellbar. Aber wer meinen Fahrbericht aus dem MAN vom „Echter-Franz“ in der alten PITWALK liest, der kann das schlagartig besser verstehen. Von dem Heft müssten wir eigentlich noch ein paar auf Lager haben.

Sollen wir da auch ein Sonderangebot draus machen, etwa ein Bundle aus der Selbst-Er-Fahrung und meinem Besuch bei der Familie de Rooy in der Nähe von Eindhoven? Wäre das interessant für Euch?

Dann gebt doch mal eine Rückmeldung via Twitter oder Facebook, und ich lass’ mir was einfallen.

Und in der Zwischenzeit gilt weiter der Hashtag: #PushPitcast!


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