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13.01.2017

Daily Dakar, Episode 17: Die zwei Gesichter des Peterhansel plus de Rooy, Sunderland


Morgen kann Geschichte geschrieben werden. Sam Sunderland steht kurz davor, als erster Engländer überhaupt die Rallye Dakar zu gewinnen. Dass es dabeit heute beinahe noch einen ordentlichen Zwist mit seinem Teamkollegen Matthias Walkner gab, kann im Nachhinein, bei wieder gekühltem Mütchen, mit einem Lächeln bedenken, an der Statistik für den Inselstaat ändert das nichts mehr.

Das kann man zwar getrost in die Kategorie „Unnützes Wissen“ einsortieren. Aber bei näherem Hingucken ist es doch verwunderlich – schließlich ist England eigentlich die größte und geschichtsträchtigste Nation der Welt.

Doch die Dakar ist vornehmlich eine französische Angelegenheit, seit der Abenteurer Thierry Sabine sie mehr durch Zufall als mit vorausschauender Planung gegründet hat.

Deswegen ist es auch keine Überraschung, dass in diesem Jahr wieder ein Franzose die Autowertung gewinnt. Seit heute scheint festzustehen, es wird Stéphane Peterhansel. Denn Sébastien Loeb hat in der vielleicht alles entscheidenden Phase genau dort scheinbar alles liegen gelassen, von dem er in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK doch noch gesagt hat, er hätte es dieses Jahr besser drauf: bei der Navigation.

Peterhansel hat sich nach dem gestrigen Zwischenfall, bei dem er einem Motorradfahrer ein Bein brach, viel Sympathie eingehandelt. Nicht nur, weil er bei dem Verletzten an der Unfallstelle blieb. Sondern vor allem, weil der Rekordsieger der Dakar sich im Nachgang mit einem selbst gedrehten Video über die sozialen Netzwerke bei der Familie des Opfers formvollendet entschuldigte.

Das hatte Stil, und deswegen hörte ich heute auch oft, Peterhansel sei als Sympathieträger der verdiente Sieger der Rallye.

Das mag stimmen. Aber auch der Franzose, der mit der Bayerin Andrea Mayer auf Korsika lebt, ist kein Waisenknabe. Ich erinnere nur an die Dakar 2012, als er auf einer Wasserdurchfahrt den mitten in der Furt gestrandeten Motorrad-Privatier Filippo Ciotti von hinten anrummste – und danach einfach weiterfuhr, statt sich nach Wohl und Wehe des Bikers zu erkundigen.

Die Aktion hat Peterhansel damals viel Kritik eingebracht. Und sie war auch für mich unverständlich, denn schließlich haben sowohl Peterhansel als auch seine bayerische Gattin ihre Wurzeln in der Motorradklasse des Marathonsports.

Auch als Juan „Nani“ Roma 2014 die Dakar gewann, nachdem X-Raid eine Stallregie zu dessen Gunsten und zu Lasten des aufholenden Peterhansel ausgegeben hatte, war das im Nachgang weniger dramatisch und unfair als zuerst bekannt. Ich habe seither in unserer Zeitschrift PITWALK enthüllt, dass Peterhansel sich schon vor der Stallregie zu seinem Wechsel zu Peugeot entschieden und dort auch bereits unterschrieben hatte. Und es war schon einige Zeit vorher intern ausgemacht, ab wann man X-Raid-intern nicht mehr attackieren sollte, nicht erst an besagtem Tag, als alles hochkochte. Peterhansel hat beides geflissentlich vergessen, als es drauf ankam.

Jetzt wirkt der designierte Sieger deutlich mehr in sich ruhend als seinerzeit bei Mini. Wahrscheinlich gibt ihm das rein französische Umfeld bei Peugeot mehr emotionale Geborgenheit als das manchmal doch sehr strenge Regiment von Teamchef Sven Quandt bei X-Raid. Gerade Franzosen sind ja sehr emotional, man merkt immer wieder, wie sie sich von solchen weichen Werten leiten lassen.

Und bei Peugeot gab es ja nur den Störfall Carlos Sainz als Externen. Der Spanier hat sich allerdings bei den Löwen dieses Jahr durch die Bank keine Freunde gemacht. Warum? Steht in der nächsten Ausgabe von PITWALK, die am 24. Februar erscheint. Da haben wir nicht nur ein Portrait von Sainz in unserer vielbeachteten Serie „Good Old Boys“ von Autor Carlton Kirby drin, sondern auch einige spannende Interna ausgegraben, die Vieles von der noch laufenden Dakar in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Wie wichtig die emotionale Komponente ist, zeigte auch der gestrige Tag bei den Motorrädern. Da musste die KTM-Spitze aus Teamchef Alex Doringer und Technikdirektor Stefan Huber in der mittigen Neutralisation erst mal jene Pferde wieder einfangen, die Sam Sunderland und Matthias Walkner auf dem ersten Teilstück der Etappe durchgegangen waren. „Sunder Sam“ hatte kurzfristig sogar vergessen, dass er seit einem guten Jahr bei einer Sportpsychologin in Behandlung ist, sodass er eigentlich gar kein Nervenflattern haben düfte. Aber die Österreicher haben ihre beiden Reiter wieder auf Spur gebracht, jetzt galoppieren sie dem Doppelsieg entgegen. Wieder mal.

Die KTM-Dominanz in der Motorradklasse dürfte wohl auf absehbare Zeit anhalten. Warum? Auch das steht dann in der nächsten PITWALK, in einer zweiten großen Hintergrund-Analyse von der diesjährigen Dakar.

Bei den Lkw ging es erwartungsgemäß handfester zu. Die kamen gestern erst so spät nachts ins Ziel, dass es keine aktuellen Infos mehr geben konnte. Inzwischen ist klar: Gerard de Rooy hat seine Sieghoffnungen auf höchst schmerzhafte Art und Weise verloren. Teamarzt Gust van Monfort musste de Rooy in der Neutralisation sogar eine schmerzstillende Spritze setzen – so sehr hatte der Niederländer sich während der Fahrt die Rippen an der harten Sitzschale geprellt.

Im ersten Teilstück hatte de Rooy sich zwei Mal verfahren. Erst allein, dann in einer Gruppe mit acht anderen Trucks, mit denen er hilflose Kreise drehte. Beim Weg zurück auf den richtigen Pfad zog er sich zwei aufeinander folgende Reifenschäden zu. Mit Ton van Genugten, bei Kilometer 12 auf seinen Chef gewartet hatte, wechselte man flugs den Reifen, doch de Rooy hing danach im dichten Verkehr anderer Lkw fest, die ihn partout nicht vorbei ließen. Auch Aleš Loprais und Peter Versluis zählten zu denjenigen, hinter denen de Rooy der Kamm schwoll.

Als er sich schließlich mit Gewalt neben dem eigentlichen Weg im offenen Gelände an dem Konvoi vorbeipressen wollte, rumpelte und schüttelte ihn die Mischung aus Wüstengras und Geröll so schlimm durch, dass er sich die Rippen prellte. Bei voller Fahrt oben auf dem Bock.

So viel also die Vorentscheidung bei den Lkw.

Und nun noch in eigener Sache: Weil wir so viele Anfragen nach meiner Idee eines „Rallye Dakar Special“-Abo für unsere Zeitschrift PITWALK erhalten haben, wenn wir tatsächlich regelmäßig übers Jahr hinweg über den Marathonsport berichten, werden wir uns da in den kommenden Tagen was Schönes zu einfallen lassen. Aber lassen Sie mich erst den Stress der eigentlichen Rallye hinter mich bringen.

Schauen Sie einfach mal wieder hier rein, oder bei uns auf Facebook und/oder Twitter vorbei, da gibt’s dann kurz nach der Dakar entsprechende Neuigkeiten zu diesem Dakar Special-Abo.

Danke!


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