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10.01.2017

Daily Dakar, Episode 14: Dinkum Aussie & der Zauber der Truckies


Es ist immer wieder überwältigend, wie groß der Zusammenhalt zwischen Motorsportlern aus manchen Nationen ist. Das merkt man gerade jetzt wieder, wo Toby Price im Krankenhaus von La Paz auf seine Überführung in seine Heimat Australien wartet.

Denn über dem Dakar-Sieger von 2016, der sich diesen Januar gleich in der ersten Woche seinen linken Oberschenkel gebrochen hat, schwappt gerade Welle von Mitleid und Aufmunterung aus Australien zusammen.

Der erste, der sich gemeldet hat, war Mark Lemon, der Teammanager der australischen Speedway-Nationalmannschaft. Nach „Lemo“ war es auch Speedway-Fahrer Davey Watt, der dem „Champ“ alles Gute wünschte, selbst der ehemalige Formel 1- und Sportwagen-WM-Star Mark Webber meldete sich bei Price.

Und natürlich Rodney Fagotter. Der Queenslander war als Privatfahrer auf einer KTM in die Rallye Dakar 2017 gestartet, aber schon nach wenigen Tagen ausgefallen. Als er vom Unfall seines Landsmanns Price hörte, eilte Faggotter sofort nach La Paz ins Krankenhaus. Er war an Prices Bett, als der aus seiner Operation aufwachte.

Ein sehr ähnliches Phänomen beobachteten wir gestern bei laufender Kameras unter den Holländern. Als Ton van Genugten in einer Schlammkuhle steckenblieb und nach und nach immer mehr niederländische Lkw-Fahrer im selben Matsch versanken – da entwickelte sich an dem unfreiwilligen Massenparkplatz nicht etwa ein großes Lamento, sondern eine Art Volksfest während der Freischlepparbeiten. Der Frust über den Lapsus währte bei jedem einzelnen nur kurz, die fidelen Niederländer machten aus der Befreiungsaktion lautstark johlend ein Happening.

Valkenswaard reloaded in der Wüste, sozusagen.

Für Ton van Genugten hat das happige Festfahren dabei höchst ärgerliche Folgen. Denn heute muss der Teamkollege von Gerard de Rooy auf offener Prüfung anhalten und seinen Chef de Rooy vorbeilassen, dem danach konsequent nachfahren und Geleitschutz geben. Schließlich führt de Rooy in der Gesamtwertung. Und wenn ihm was passiert, steht van Genugten als rollendes Ersatzteillager parat.

Diese Rolle hätte eigentlich Wuf van Ginkel einnehmen sollen. Doch ab Beginn der zweiten Woche massiert de Rooy alle Kraft auf den Iveco Torpedo von de Rooy. Nicht, weil der der Chef ist – sondern weil er am aussichtsreichsten im Rennen liegt. Also sind auch van Genugten und sogar Federico Villagra im zweiten Hauber künftig zu Teamarbeit vergattert.

Das geht schon damit los, dass sie alle auf der Marathonetappe gestern und heute etwa 200 Kilogramm schwerer sind als üblich. Weil sie Ersatzreifen und -teile, aber auch mehr Werkzeug mitschleppen müssen als auf einer normalen Etappe, nach der sich abends die Mechaniker auf die Lkw stürzen dürfen.

Dass van Genugten dennoch gestern wieder Tageszweiter werden konnte, spricht für den raschen Aufstieg, den der ehemalige Mechaniker aus der de Rooy-Truppe genommen hat. Van Genugten ist für mich einer der großen Gewinner, eine der großen Offenbarungen der diesjährigen Dakar. Und sein Lieblingsterrain kommt erst noch: van Genugten liebt vor allem das Fahren im tiefen Sand, in der Wüste. Und dort findet morgen die Königsetappe statt, wahrscheinlich die Vorentscheidung dieser Rallye.

Allerdings sind auch die Kamaz in der Wüste immer besonders gut. Und die Russen sind Gerard de Rooy in diesem Jahr besonders positiv aufgefallen: Anders als sonst, lobte er vor kurzem, führen die Kamaz-Jungs heuer sportlich fair, würden nicht blocken, einbremsen oder aufeinander warten, um die westeuropäischen Gegner aufzuhalten. De Rooy hat schon einige Male einen Kamaz überholt, weil sein Truck nach den Modifikationen für die Dakar 2017 besser läuft.

Die Hintergründe zur Technik von Kamaz und de Rooy finden Sie in unserer großen Lkw-Technik-Vorschaugeschichte in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK, die brauche ich hier also nicht noch mal durchzukauen.

Aber klar ist: Auch die Kamaz sind in der Wüste erst so richtig in ihrem Terrain. Vor allem dank ihres dicken Motors. Und sie haben sich in voller Mannschaftsstärke hinter de Rooy massiert. Ob sie dann, wenn die Aufholjagd gilt, nicht doch zu fahrtaktischen Mitteln greifen, bleibt mal abzuwarten, eigentlich sind sie ja bekannt dafür.

Doch dank der neuen Hackordnung innerhalb der de Rooy-Mannschaft scheint mir die Kulttruppe aus der Nähe von Eindhoven auch für einen tatarischen Großangriff gerüstet. Vor allem wegen van Genugten.

Die Lkw-Wertung könnte jedenfalls gut und gern die spannendste in der zweiten Dakar-Woche werden. Leider kommen die Könige der Wüste abends immer so spät ins Biwak, dass es nur zu wenigen Fernsehbildern und spärlichen Informationen reicht, rein aus Zeitgründen. Denn zwischen Europa und Südamerika besteht ein Zeitunterschied von vier Stunden, und die Trucks starten jeden Tag am spätesten und fahren am längsten. Irgendwann geht den TV-Redakteuren im Biwak schlicht die Zeit zum Schneiden aus, sie können oft nicht auf die Trucks warten.

Aber ich werde ein besonders offenes Auge auf die faszinierenden Dickschiffe haben und schauen, dass ich Ihnen hier im Blog so viel wie möglich davon aufbereiten kann, wenn im TV Fragen offen bleiben.

Ein Startschuss ist ja mit der großen Vorschau in der aktuellen Ausgabe von PITWALK schon gemacht: Nirgends wurde die Lkw-Klasse so ausgiebig und so tiefschürfend beleuchtet wie in dieser Hintergrundgeschichte. Wenn Sie die gelesen haben, sind Sie für den jetzt folgenden Krimi perfekt vorbereitet.


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