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17.01.2019

Daily Dakar Episode 11 – Bolzplatz in der Wüste


Die Entwarnung kam am Nachmittag. Emmanuelle Castera, die Gattin von Stéphane Peterhansels Beifahrer Daniel, besuchte ihren Mann im Krankenhaus von Lima. Und der Franzose lag dort im schicken Krankenhausnachthemd, verkabelt und mit einer Leitung aus der Nase ragend.

Doch die Ärzte konnten Emmanuelle Castera schnell Entwarnung geben. „Wir hatten erst gedacht, er hätte sich einen Rückenwirbel gebrochen“, rekapituliert die Gattin, „doch es hat sich nur als eine schwere Stauchung herausgestellt.“

Der Unfall von Castera am vorletzten Tag, der Peterhansel aus der Rallye riss, sollte nicht die einzige üble Verletzung eines Copiloten sein. Alex Haro, der Navigator von Nani Roma bei X-Raid, brach sich schon einen Tag zuvor zwei Rippen und kämpfte sich unter Schmerzen ächzend durch die letzten beiden Etappen. Dass Roma/Haro dennoch auf Rang 2 ins Ziel kamen, ist eine ähnliche Heldengeschichte wie der Sieg von Toby Price mit seinem gebrochenen Kahnbein bei den Motorrädern: Rippenverletzungen sind extrem schmerzhaft und langwierig; der Körper geht bei den meisten Bewegungen in eine Art Schutzstarre über, man kann dann nicht mehr aufstehen, egal aus welcher Position.

Und man kann mit der Pein weder sitzen noch liegen, sondern sich am besten stehend irgendwo aufhalten.

Genau das aber geht bei einer Rallye nun mal nicht. Und dann kriegt man während der langen, langen Fahrt auch noch dauernd neue Schläge verabreicht, jeder brutal wie ein Rechtsausleger von Muhammed Ali.

Dass ausgerechnet so viele Beifahrer sich verletzt haben, ist kein Zufall – sondern ein bekanntes Phänomen im Rallyesport. Timo Gottschalk, der Co. von Yazeed Al-Rahji bei X-Raid, wird im neuen Pitcast – dem Podcast der Zeitschrift PITWALK – genau erklären, woran das liegt.

Ein nicht zu unterschätzender Bestandteil ist das enorme Tempo, das bei der Dakar in diesem Jahr angeschlagen worden ist. So richtig offensichtlich wurde das an jenem Tag in der zweiten Woche, an dem Autos, Motorräder und Lkw munter durcheinander statt wie sonst nach Klassen getrennt starteten.

Da staunte Andrew Short aus dem Husqvarna-Team, es sei unglaublich, über was für tiefe Wellen, Löcher und Abrisskanten im Gelände die Autos mit Vollgas, ohne zu lupfen, mit bis zu 180 Sachen einfach drüberkacheln würden. „Wenn wir das mit einem Motorrad mit Vollgas zu nehmen versuchen würden“, sagt Short, „würden wir uns vorwärts überschlagen. Das könnten wir niemals stehen.“

Die Ver- und Bewunderung des US-Amerikaners ist ernstzunehmen, denn „Shorty“ kennt sich mit spektakulären Sprüngen und hohen Geschwindigkeiten aus: Er kommt aus dem Supercross, einem höchst krüäftezehrenden Highspeed-Spektakel. Wenn selbst einer wie er Manschetten kriegt – dann will das was heißen.

Auffällig ist, dass nicht nur die Buggys extrem viel Tempo gebolzt haben, sondern auch die Allradler. Und das, obwohl die deutlich geringere Federwege und kleinere Reifen haben. Sie müssten also der Papierform nach im groben Gelände langsamer fahren als die Hecktriebler.

Doch das Gelände und der Verlauf der Rallye zwangen auch den 4WD-Modellen ein enormes Tempo auf. Wobei Gottschalk wiederum im Pitcast sagt, die angeschlagene Geschwindigkeit sei nichts Besonderes und habe sich gegenüber den Vorjahren nicht geändert.

Wahnsinn ist sie trotzdem.

Auch bei den Motorrädern übrigens: Auf vielen Prüfungen lag der Tempo-Durchschnitt klar bei über 100 km/h. Und das knapp zwei Wochen lang.

Dass solch ein Spektakel dann vorm letzten Tag mit einem Abstand von 62 Sekunden zwischen den ersten Beiden in die Entscheidung geht – das muss der Dakar erstmal eine andere Veranstaltung in diesem Jahr nachmachen.


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