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03.08.2020

Corona-Leugner


Das war's mit der Glaubwürdigkeit. Seit Beginn der Coronarumpfsaison hat das Formel 1-Management stets versichert, bei allen Resultaten über Tests und Folgemaßnahmen rund um Covid-19 stets maximale Transparenz walten zu lassen.

Aber was kann man den Machern jetzt noch glauben?

Die Art, wie sie von Spielberg an mit ihren Testergebnissen in die Öffentlichkeit gegangen sind, hätte einen schon stutzig machen müssen. Mehrfach wurden die genauen Zahlen der getesteten Personen veröffentlicht. Das wirkt auf den ersten Blick nach vorbildlicher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Doch als dann nach der zweiten Twitterwelle der Veröffentlichungen plötzlich haufenweise Antworten auf den Tweet kamen, in denen User ausdrückten, wie sehr sie Art der Transparenz liebten – da gingen schon die ersten Alarmglocken an. Sind die User, die diese Antworttweets abgesetzt haben, tatsächlich so lemminghaft-naiv – oder am Ende doch viel eher gesteuert und von PR-Geldern der Serienbetreiber bezahlt, um mit gezielt eingesetzten Positivmeldungen Stimmung zu machen?

Die Geschichtsschreibung kennt dieses Phänomen als Jubelperser.

Vor dem zweiten Rennen in Spielberg kam erste Unruhe auf, weil Valtteri Bottas und Charles Leclerc ohne Not für zwei Tage nach Monaco gefahren sind und so die ergänzenden Bestimmungen des Covid-19 Delegate der FIA unterminiert haben. Irgendwie hat man aber hinter den Kulissen das gemacht, was man in der Juristerei einen Deal nennt – offensichtlich, damit nicht in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, mit den Coronamaßnahmen der Formel 1 sei es doch nicht so weit her.

Jedenfalls sah man plötzlich Krähen im Fahrerlager, die den anderen kein Auge aushackten.

Dann kam Ungarn. Die gelebte und beliebte Transparanz schlug wieder zu: Bei den Tests seien zwei positive dabei gewesen. Mehr könne man aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen nicht mitteilen. Sofort liebten die Tweeps wieder die Transparenz.

Dabei hätten sie da schon aufbegehren müssen: Die Formel 1 ist eine öffentlich relevante Veranstaltung. Also gibt es auch ein Recht darauf zu erfahren, wer in diesem Umfeld positiv getestet worden ist. Wer sich in ihr bewegt, wird damit automatisch und per Definition auch zu einer Person öffentlichen Interesses. Und für die gelten de iure andere Datenschutzrichtlinien als für Zivilisten und Privatleute.

Wenn man schon keine Namen nennen möchte, was zur Not noch verständlich ist, so hätte man keine Datenschutzgesetze verletzt, wenn man mitgeteilt hätte, dass es eine Putzfrau im Pressezentrum und einen Kabelverleger für die TV-Infrastruktur waren.

Das wäre Transparenz gewesen. Und zwar keine, für die man sich lieben lassen muss – sondern eine, die der Pflicht zur Information der Öffentlichkeit nachgekommen wäre.

Seit Silverstone weiß man: Es war blöd, so etwas vorauszusetzen. Denn die Formel 1 will gar nicht über ihre Coronaentwicklungen informieren – sondern alles unter den Teppich kehren und lediglich so tun, als sei man ein Vorbild. In Wahrheit will man in seiner eigenen Parallelwelt, dem Mikrokosmos Grand Prix-Sport, in Ruhe wurschteln können.

Dafür steht die Causa Sergio Pérez. Am Donnerstag kam erste Meldungen über einen nicht-aussagekräftigen Coronatest, wegen dem man ihn nach Hause geschickt hatte. Mehr nicht. Erst am Freitag erfuhr man vom Team Racing Point: Bereist donnerstags kurz nach 14 Uhr sei bekannt gewesen, dass Pérez Corona hat.

Der Öffentlichkeit hat man das da noch beinahe 12 Stunden lang verschwiegen.

In einem heiklen Fall von enormer Tragweite. Immerhin hat sich einer der Hauptdarsteller infiziert – also einer jener Inner Circlisten, denen das auf gar keinen Fall hätte passieren dürfen. Das hätte man sofort und ohne jegliche zeitliche Verzögerung in schonungsloser Offenheit kommunizieren müssen. Stattdessen gab's eine Christian-Wulff'sche Salamitaktik.

Damit ist klar: Auch die Formel 1 gehört zu den Corona-Leugnern. Zwar anders als per Definition, wenn man die Berliner Demonstranten als Beispiel nimmt. Aber die Art, wie die Königsklasse mit der Informationspolitik umgeht, ist schlicht inakzeptabel.


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