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27.09.2016

Blind in Texas


Vor einigen Wochen war ich in Austin. Auf der Rennstrecke Circuit of the Americas im US-Bundesstaat Texas, wo demnächst auch ein Formel 1-Grand Prix stattfindet, besuchte ich das Sechsstunden-Rennen der Sportwagen-WM. Eine Hitzeschlacht, die bei zirka 40 Grad Außentemperatur begann und sich dann in die schwülere, aber nur wenig kühlere Nacht hineinzog.

Während des Rennens zollte die Hitze ihren Tribut: LMP2-Fahrer Nelson Pantiatici und einige Mechaniker mussten wegen Dehydration ins streckeneigene Krankenhaus gebracht werden; Audi-Fahrer Loïc Duval brach einen geplanten Doppeltörn vorzeitig ab, weil der automatische Versorgungsmechanismus seiner Trinkflasche ausgefallen war und er mit seiner Kondition völlig zu Fuß war.

Jetzt fährt die Formel 1 in Malaysia, bei ganz ähnlichen Bedingungen. Auch in den Sümpfen von Sepang, wo gern mal eine Klapperschlange durch die Auslaufzone schlängelt, droht eine Hitzeschlacht bei immenser Luftfeuchtigkeit.

Die Hochtechnik-Serien wie Formel 1 und Sportwagen-WM zehren ihre Fahrer dabei außergewöhnlich stark aus. Weil die Hybridtechnik an Bord so schwer ist und die Autos gleichzeitig auf Teufelkommraus unter dem Mindestgewicht gehalten werden, um mit Ausgleichsgewichten als Abstimmungsinstrument arbeiten zu können, sind Fahrerhilfen wie früher Kühlwesten längst verpönt. Sie wiegen zu viel, und die Flüssigkeit, die in den rippchenähnlichen Leitungen kursiert, muss ja auch zuverlässig weiter gekühlt werden, wenn das Rennen läuft – sonst wird der Fahrer nicht kühl gehalten, sondern im Laufe der Zeit schonend gegart. Der dafür nötige Mechanismus wiegt noch mehr.

Auch die reine Literzahl der Flüssigkeit in der Trinkflasche wird bewusst geizig kalkuliert, denn jeder Liter bringt Zusatzgewicht an Bord.
Bei der Sportwagen-WM in Austin verlor der junge Schotte Lewis Williamson in einer knappen Stunde Fahrtzeit satte sechs Kilogramm Körpergewicht – nur, weil er so geschwitzt hat.

Und weil die heutige Fahrergeneration so durchtrainiert ist, kann sie sich gegen solchen Gewichtsverlust nicht wappnen: Wer im Körper Flüssigkeit auf Vorrat einlagern will, der braucht dafür zumindest ein bisschen Körperfett, quasi als Speichermedium, aus dem dann das vorher literweise getrunkene Wasser sozusagen wieder rausgesogen werden kann. Doch die aktuellen Rennfahrer sind nur noch Haut und Knochen und ein bisschen Muskelmasse; wenn man einem von ihnen mit bloßem Oberkörper gegenübersteht, möchte man ihm aus lauter Mitleid prompt ein Käsebrötchen anbieten, so abgeklappert sieht er aus.
Das rigide Trainingsprogramm der ultrafitten Rennprofigeneration wächst sich bei Hitzeschlachten wie in Austin und Kuala Lumpur in einen Nachteil aus. Zum Glück sind solche extremen Wetter selten. Deswegen finde ich auch die Debatte unsinnig, ob man bei solcher Hitze überhaupt fahren lassen sollte: Profis mit Millionengagen müssen auch damit klarkommen.

Die Formel 1 geht auch bald nach Austin. Obwohl hinter den Kulissen eine Debatte tobt, ob der „Cota“ von Elroy, direkt unter der Einflugschneise des Bergstrom-Flughafens von Austin gelegen, wegen anhaltender Verlustgeschäfte sich die Formel 1 noch lange wird leisten können.
Als ich zur Sportwagen-WM in Texas war, wurde mir schlagartig klar: Die Formel 1 wird noch ewig in Austin fahren. Denn Bernie Ecclestone hat vor dem großen Kuhhandel noch schnell eine Personalie klargemacht, die keinen anderen Schluss zulässt: Katja Heim ist seit neuestem Streckenchef des Circuit of the Americas. Die schlanke Schönheit hat sich vor mehreren Jahrzehnten als junge Journalistin mit einem einfühlsamen Portrait über Big Bernie dessen Gunst erschrieben und wurde von Mister E. daraufhin in seinen Inner Circle aufgenommen. Seither ist sie mit einer PR-Agentur für die Öffentlichkeitsarbeit für vielerlei Aufgaben rund um diverse Formel 1-Rennen zuständig, stets mit großem Erfolg.

Als neuer Cota-Boss hat Heim ihre bislang größte Position inne. Und Ecclestone hat damit wasserdicht abgesichert, dass die texanische Berg-und-Talbahn auch künftig im Kalender der Formel 1 verbleibt – zu seinen Bedingungen, und bestmöglich geführt.
Alle Überlegungen, ob der US-Grand Prix wackelt, können also wieder eingestellt werden.


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