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13.03.2020

Beamtenmikado von Toto Wolff


Der Formel 1-Grand Prix von Australien ist abgesagt worden. Vorangegangen ist der Entscheidung ein Gezerre hinter den Kulissen, an dessen Ende ein Meinungsumschwung von Mercedes-Rennleiter Toto Wolff den Stein des Anstoßes gegeben hat.

Wie zu erwarten, wollten sowohl die FIA-Funktionäre als auch die Formel 1-Veranstaltergemeinschaft den Grand Prix unbedingt durchdrücken. Zumindest am heutigen Freitag sollte noch gefahren werden, um dann gegebenenfalls auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Doch einige Teams haben sich noch in der Nacht dagegen ausgesprochen, darunter Ferrari und seine beiden Satellitenteams Sauber – pardon: Alfa-Romeo – und Haas.

Die müssen ja ohnehin in Nibelungentreue zu Ferrari stehen. Denn sie verdanken ihre Existenz und ihr Material auch ihrer besonderen Rolle als politische Resonanzgeber und Verstärker von Mutterschiff Ferrari.

Der Weltverband FIA hat sich auf seine Richtlinien zurückgezogen, um keine Entscheidung treffen zu müssen: Man könne erst absagen, wenn die Formel 1-Dachgesellschaft ihm mitteile, dass weniger als 12 Autos am Start stehen würden. Das ist eine Konsequenz aus der Formel 1-Verfassung, dem sogenannten Concorde Agreement, und den wirtschaftlichen Verflechtungen, etwa Verträgen mit Fernsehsendern.

Damit war die FIA fein raus, konnte den Ball einfach weiterspielen und sich dann im Mittelkreis versammeln.

Die Taktik, die wir im gestrigen Abendblog exklusiv enthüllt haben, sollte also tatsächlich zur Anwendung kommen.

Mercedes spielte mit. Das Werksteam und damit auch dessen Kunden Williams und Force India, also Racing Point, sowie die beiden Red Bull-Teams wollten fahren. Es herrschte ein Patt. Damit hätte das Rennen stattfinden müssen.

Bis Mercedes-Rennleiter Toto Wolff einfiel, oder er daran erinnert wurde, dass es bei Mercedes eine Konzernrichtlinie für den Umgang mit Corona und Quarantäne gebe: Genau wie alle großen Firmen, gilt auch beim Daimler eine 14-tägige Quarantänepflicht für all' jene Mitarbeiter, die aus einer Roten Zone oder einem akuten Gefährdungsgebiet heimkehren. Diese Direktive hätte auch für die Belegschaft des Mercedes-Formel 1-Teams gegolten. Weil es als Werksteam denselben Konzern- und Compliancerichtlinien unterliegt.

Hätte Mercedes an dem Grand Prix teilgenommen, wäre der Quarantänepflichtfall eingetreten. Das hat letztlich zum Umdenken bei Wolff geführt, sodass Mercedes plötzlich mit einem Offenen Brief an die Ausrichter um die Ecke kam, in dem man die Absage forderte. Eine 180 Grad-Kehrtwende vom Chef, der die Treue zu den Grand Prix-Veranstaltern zugunsten der Konzernmaßgabe abgeblasen hat.

Man wundert sich, dass der Österreicher nicht von selbst darauf gekommen ist, wie der Mutterkonzern mit Corona umgeht. Denn das ist eigentlich Allgemeinbildung.

So hat Umfaller Wolff Mercedes in ein Kommunikationsdebakel gestürzt. Die Außenwirkung von Mercedes wirkt damit noch um ein Vielfaches schlimmer als der tapsige Umgang der FIA mit der Causa Corona.


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